Netzanschluss von PV-Anlagen

PV-Anlage und das Stromnetz

Der Anschluss der PV-Anlage und die Einspeisung in das Stromnetz sind ein wichtiger Schritt. Hier finden Sie die wesentlichsten rechtlichen Grundlagen dazu.

Damit Umsetzung und Betrieb der PV-Anlage möglichst reibungslos verlaufen, sind unterschiedliche gesetzliche Vorgaben einzuhalten. Im Folgenden werden die wichtigsten Vorgaben rund um den Netzanschluss von PV-Anlagen und Stromspeicher (u.a. Netzzutritt, Netzkapazität und Netzentgelt/pauschale) zusammengefasst.

Speziell behandelt werden folgende Themenbereiche:

  • Die Allgemeine Anschlusspflicht für Verteilnetzbetreiber.
  • Der vereinfachte Netzzutritt von PV-Anlagen bis 20 kWp.
  • Die vorgeschriebene Transparenz von Netzkapazitäten.
  • Die pauschalisierten Netzzutrittsentgelte.

Das Elektrizitätswirtschafts- und Organisationsgesetz (kurz ElWOG) fasst die wesentlichsten gesetzlichen Grundlagen rund um den Netzanschluss zusammen.

Zur korrekten Berechnung des Netzzutrittsentgelts von PV-Anlagen stellt die E-Control einen Leitfaden für den Netzanschluss, inkl. Musterbeispiele, zur Verfügung.

Wenn Sie mit der Qualität einer Dienstleistung Ihres Netzbetreibers nicht zufrieden sind, können Sie einen formlosen Streitschlichtungsantrag an die Schlichtungsstelle der E-Control richten. Sinnvollerweise sollten Sie vorher für einen Lösungsversuch den betroffenen Netzbetreiber kontaktiert haben.

Allgemeine Anschlusspflicht

  • Durch die „Allgemeine Anschlusspflicht“ im ElWOG werden Stromnetzbetreiber (genauer: die Verteilernetzbetreiber) dazu verpflichtet, klare Bedingungen zu definieren, zu denen ein Anschluss ans Netz möglich ist. Diese Grundlage des Netzzutrittsvertrages (laut Gesetzestext, des privatrechtlichen Vertrages) gilt sowohl für Verbraucher, als auch für Erzeuger von Strom. (§ 46 Abs 1 ElWOG)
  • Die „Allgemeine Anschlusspflicht“ legt außerdem fest, dass eine notwendige Optimierung, Verstärkungen oder ein Ausbau des Netzes kein Ausschlussgrund für die Einspeisung/Abnahme von elektrischer Energie sein darf. (§ 46 Abs 2 ElWOG) Einzig begründete Sicherheitsbedenken oder eine technische Inkompatibilität bilden mögliche Ausnahmen von der Allgemeinen Anschlusspflicht. (§ 46 Abs 3 ElWOG)
  • Im Netzzugangsvertrag ist der Zeitpunkt der möglichen Inbetriebnahme der Anlage durch den Netzbetreiber anzuführen. (§ 46 Abs 4 ElWOG)
  • Die Inbetriebnahme darf für Anlagen mit Anschluss an der Netzebene 5 bis 7 maximal 12 Monaten nach Abschluss des Netzzugangsvertrags liegen. Bei Anlagen mit Anschluss an der Netzebene 3 bis 4 sind es maximal 3 Jahre. Sofern für den Netzausbau behördliche Genehmigungen oder Verfahren benötigt werden, ist die Verfahrensdauer nicht in diese Frist einzurechnen. (§ 46 Abs 4 ElWOG)

NETZZUTRITT & NETZZUGANG: GRUNDLAGEN​

  • Anlagen mit einer Engpassleistung von 20 kW sind vom Netzbetreiber grundsätzlich an das Stromnetz anzuschließen. (Die Engpassleistung bezeichnet grob das schwächste Betriebsmittel innerhalb der Stromerzeugungsanlage.)  (§ 17a Abs 1 ElWOG)
  • Diesen Anlagen sind laut § 17a ElWOG im Ausmaß der bereits vereinbarten Netznutzung (die bestehende Bezugsleistung) das Einspeisen von Strom zu gewähren.
  • Da im Haushaltsbereich meist eine Bezugsleistung von 4 kW oder 8 kW besteht, sind PV-Anlagen bis zu einer Engpassleistung von 20 kW zwar ans Netz anzuschließen, der Netzbetreiber muss jedoch laut Gesetz meist nur eine Einspeiseleistung von 4 kW bzw. 8 kW ermöglichen.
  • Bei PV-Anlagen < 20 kW hat der Netzbetreiber innerhalb von 4 Wochen, ab vollständiger Anzeige, eine Zu- oder bei begründeten Sicherheitsbedenken oder technischer Inkompatibilität der Systemkomponenten, eine Absage zu machen. Sollte innerhalb von 4 Wochen keine Absage erteilt werden, gilt der Netzzugang als gewährt. (§ 17a Abs 3 bis 5 ElWOG). Die Verweigerung ist dem Netzbenutzer gegenüber nachvollziehbar zu begründen.
  • Eine Anzeige für Anlagen < 20 kW ist nach Angabe folgender Punkte vollständig (§ 17a Abs 1 & 2 ElWOG):
    1. Name und Anschrift der Netzbenutzer*in und Anschrift der anzuschließenden Anlage;
    2. bei neu zu errichtenden Anlagen: Lageplan;
    3. gewünschter Beginn der Einspeisung;
    4. Höchstleistung der Anlage in kW;
    5. Anzahl und Lage der Zählerplätze;
    6. Anlagen- und Betriebsart (wie z.B. Photovoltaikanlage, Kleinwasserkraftwerk, Voll- oder Überschusseinspeisung);
    7. prognostizierte Jahresmenge in kWh;
    8. bei gemeinschaftlichen Erzeugungsanlagen die in § 16a ElWOG genannten Informationen.
  • Bei Anlagen bis 250 kW kann die Einspeiseleistung zeitweise oder generell auf einen vereinbarten Maximalwert reduziert werden, wenn ohne Reduktion kein sicherer und effizienten Netzbetrieb möglich wäre. Die Einschränkung darf max. 1% der Maximalkapazität am Netzanschlusspunkt betragen und ist im Netzzugangsvertrag festzuhalten. (§ 54 Abs 5 ElWOG)

Netzzutritt & Netzzugang
Anforderungen und Fristen

Neben den angeführten Vorgaben erläutert die Netzdienstleistungsverordnung (END-VO 2012) die allgemein gültigen Fristen für alle Anlagengrößen. In diesem Abschnitt werden die Inhalte der END-VO 2012 – Novelle 2024, welche sich dem Netzzutritt und dem Netzzugang widmen, zusammengefasst.

Netzzutritt

Der Netzzutritt ist die erstmalige Herstellung eines Netzanschlusses oder die Erhöhung der Anschlussleistung eines bestehenden Netzanschlusses (§ 7 Z 56 ElWOG).

Laut END-VO 2012 – Novelle 2024 hat der Verteilnetzbetreiber 2 Wochen (Netzebene 7) bzw. 1 Monat (Netzebene 1 bis 6) ab Einlangen einer Anfrage Zeit, um einen Kostenvoranschlag für das Netzbereitstellungsentgelt und das Netzzutrittsentgelt vorzulegen. Der Kostenvoranschlag hat detailliert und nachvollziehbar die wesentlichen Komponenten des zu entrichtenden Netzzutrittsentgeltes zu enthalten. (§ 3 Abs 2 END-VO)

  • Das Netzzutrittsentgelt ist für die erstmalige Herstellung des Netzanschlusses oder die Abänderung eines Anschlusses infolge einer Erhöhung der Anschlussleistung zu zahlen und wird nach der Engpassleistung der Anlage (bei PV-Anlagen ist dies oftmals die Wechselrichterleistung) pauschal nach der unten angeführten Tabelle  berechnet (siehe Netzzutrittsentgelte und Pauschale).
  • Wichtig: Das Netzzutrittsentgelt ist daher nicht für den Netzausbau sondern nur für den Anschluss an das Stromnetz vorgesehen. 
 
Der Netzbetreiber ab Einlangen eines vollständigen schriftlichen Antrags auf Netzzutritt 
  • nach spätestens 2 Wochen (Netzebene 7) bzw. 1 Monat (Netzebenen 1-6) mit einem konkreten Vorschlag für die weitere Vorgangsweise zu antworten. Darin muss: 
    • eine Ansprechperson und
    • die voraussichtliche Dauer bis zur Herstellung des Netzanschlusses genannt werden.  
  • Nach weiteren 2 Wochen auf Netzebene 7 (insgesamt 4 Wochen) bzw. weiteren 4 Wochen auf Netzebenen 1-6 (insgesamt 8 Wochen) muss der Netzbetreiber ein Angebot für den Netzzutritt überbringen. Dieses muss insbesondere:
    • eine Kostenaufstellung und
    • eine Zählpunktbezeichnung enthalten. (§ 3 Abs 2 END-VO)

Sind seitens Netzbetreiber weitere technische Erhebungen erforderlich, können die Fristen aufgehoben werden, bis die Erhebungen abgeschlossen sind. (§ 3 Abs 5 END-VO)

 
Der Antrag auf Netzzutritt ist vollständig, wenn zumindest folgende Informationen vorliegen:
  1. Name, Anschrift und Kontaktinformationen der Netzbenutzer*in sowie Anschrift bzw. örtliche Lage der anzuschließenden Anlage;
  2. Bei Entnehmern die Art der Nutzung und die gewünschte Inanspruchnahme des Netzes in kW;
  3. Bei Anlagen von Netzbenutzer*innen mit Stromerzeugungsanlagen die Angabe der netzwirksamen Leistung am Netzanschlusspunkt, der Engpassleistung der Stromerzeugungsanlage; bei Photovoltaikanlagen zusätzlich die Modulspitzenleistung;
  4. Bei Anlagen, die auf den Netzebenen 1-6 angeschlossen werden sollen, zusätzlich: Projektpläne und technische Unterlagen, wie vom Verteilernetzbetreiber in geeigneter Weise veröffentlicht.
Wurden diese Angaben seitens Netzbenutzer*in nicht ausreichende oder widersprüchliche Angaben übermittelt, muss der Netzbetreiber diese umgehend nachfordern. (§ 3 Abs 3 & 4 END-VO)
 
Laut § 3 Abs 6 END-VO muss die Zusage für den Netzzutritt für alle Netzebenen mindestens 12 Monate ab Vertragsabschluss gültig bleiben. Eine Verlängerung der Gültigkeitsdauer ist möglich, wenn die Errichtung oder Fertigstellung der Anlage nicht erfolgen kann. 
Die Gründe für die Verzögerung dürfen nicht im Einflussbereich der Netzbenutzer*in liegen! 
 
Verlängerungen der Gültigkeitsdauer des Netzzutritts:
  • Netzebene 7:                   mind. 12 Monate (insg. mind. 2 Jahre)
  • Netzebene 1 – 6:             mind. 24 Monate (insg. mind. 3 Jahre) 
 
Folgende Fristen gelten für die Erteilung der Betriebserlaubnis vom Netzbetreiber, ab Einlangen der Fertigstellungsmeldung und Einspeiseanmeldebestätigung durch Netznutzer*in:
  • Netzebene 7 & < 20 kWp:   max. 2 Wochen
  • Netzebene 7 & > 20 kWp:   max. 4 Wochen
  • Netzebene 1 – 6:                  max. 8 Wochen
Wenn der Netzzutritt in Abwesenheit der Netzbenutzer*in hergestellt wird, muss der Netzbetreiber diese umgehend schriftlich über die Durchführung informieren. Bei erforderlicher Anwesenheit der Netzbenutzer*in, muss der Netzbetreiber möglichst auf Terminwünsche eingehen und ein Zeitfenster von zwei Stunden vereinbaren. (§ 3 Abs 7 END-VO)
 

Netzzugang

Der Netzzugang ist die Nutzung eines bestehenden Netzsystems (§ 7 Z 53 ElWOG).

Laut END-VO 2012 § 4, Absatz (1) hat der Verteilnetzbetreiber binnen 2 Wochen (Netzebene 7) bzw. 4 Wochen (Netzebene 1 bis 6) ab Einlangen des Antrags auf Netzzugang, der Netzbenutzer*in:

  • einen konkreten Vorschlag zur weitere Vorgangsweise,
  • die Angabe einer Ansprechperson und 
  • die voraussichtlichen Dauer bis zur Ermöglichung des Netzzugangs mitzuteilen.

Die angegebene Frist gilt ab der vollständigen Einreichung eines Antrages.

Ein Antrag auf Netzzugang ist vollständig, sobald die unten angeführten Mindestinformationen vorliegen:

  1. Name, Anschrift und Kontaktinformationen der Netzbenutzer*in sowie Anschrift bzw. örtliche Lage der Anlage und wenn bereits vorhanden die Zählpunktbezeichnung oder die Zählernummer;
  2. gewünschter Beginn der Belieferung und Lieferant bzw. gewünschter Beginn der Einspeisung und Abnehmer;
  3. Bei Entnehmern die Art der Nutzung und die gewünschte Inanspruchnahme des Netzes in kW;
  4. Bei Stromerzeugungsanlagen die Angabe der netzwirksamen Leistung am Netzanschlusspunkt, der Engpassleistung der Stromerzeugungsanlage; bei Photovoltaikanlagen zusätzlich die Modulspitzenleistung;
  5. Art des Netzbenutzers: Haushalt, Gewerbe, Landwirtschaft, Einspeiser;
  6. Bei Neuerrichtung, wesentlichen Änderungen oder wesentlichen Erweiterungen der Anlage: Fertigstellungsmeldung eines befugten Gewerbetreibenden. 

Falls seitens Netzbenutzer*in nicht ausreichende oder widersprüchliche Angaben übermittelt wurden, muss der Netzbetreiber diese umgehend nachfordern. (§ 4 Abs 2 & 3 END-VO)

Der Netzbetreiber muss den Netzzugangsvertrag umgehend nach Inbetriebnahme der Anlage an die Netznutzer*in übermitteln. (§ 4 Abs 4 END-VO)

Bei Anlagen ohne oder mit noch zu konfigurierenden Messeinrichtungen, der Einbau eines Zählers bzw. die Konfigurierung und – sofern anwendbar – die Zuweisung eines standardisierten Lastprofils innerhalb 3 Arbeitstagen (Standardlastprofil) oder 8 Arbeitstagen (Lastprofilzähler) Abschluss der Anmeldung gemäß Punkt 3.3 Anhang zur WVO 2014 erfolgen. Die Inbetriebnahme oder Fernfreigabe von Anlagen mit Messeinrichtung und Standardlastprofil muss nach max. 2 Arbeitstagen erfolgen. Beruft sich ein Netzbenutzer auf die Grundversorgung gemäß § 77 ElWOG 2010, verkürzt sich die Frist auf 1 Arbeitstag. (§ 4 Abs 5 & 6 END-VO)

NETZKAPAZITÄTEN​

  • Verfügbare bzw. gebuchte Kapazitäten je Umspannwerk (Netzebene 4) sind vom Netzbetreiber mindestens quartalsweise zu veröffentlichen. (§ 20 Abs 1 ElWOG)
  • Der Netzbetreiber kann im Netzzugangsvertrag für gebuchte Netzkapazitäten eine Anzahlung (Reugeld) auf das voraussichtliche Netzzutrittsentgelt verlangen. Die Reservierung erlischt und die Anzahlung verfällt, wenn die reservierte Kapazität nicht innerhalb von zwölf Monaten ab Reservierung in Anspruch genommen wird. Getätigte, aber verfallene Anzahlungen fließen dem Fördermittelkonto der EAG Förderabwicklungsstelle zu. (§ 20 Abs 2 ElWOG)
  • Die gebuchten und verfügbaren Netzkapazitäten, über Österreich verteilt, sind einsehbar unter Verfügbare Netzanschlusskapazitäten – EbUtilities.

NETZZUTRITTSENTGELTE & PAUSCHALE​​

  • Für den Anschluss von Erzeugungsanlagen auf den Netzebenen 3 bis 7 ist ein österreichweit gültiges und nach der Engpassleistung pauschalisiertes Netzzutrittsentgelt zu zahlen. (§ 54 Abs 3, 4 ElWOG) (siehe Tabelle)
  • Für PV-Anlagen bis 20 kWp ist, im Ausmaß des bestehenden Netzanschlusses, kein zusätzliches Netzzutrittsentgelt zu entrichten. (§ 17a Abs 6 ElWOG)
  • Die bestehende Anschlussleistung ist bei der Berechnung des Netzzutrittsentgelts abzuziehen.
  • Das  Netzzutrittsentgelt bemisst sich an der Engpassleistung der Erzeugungsanlage.
  • Erst wenn die tatsächlichen Kosten, die der Netzbetreiber für den Netzanschluss zu leisten hat, mehr als 175 Euro pro kWp betragen, können die diesen Betrag überschreitenden Kosten dem Netzbenutzer gesondert in Rechnung gestellt werden. (§ 54 Abs 4 ElWOG) 

Netzzutrittspauschale pro kWp für neue PV-Anlagen (laut ElWOG)

EAG Netzzutrittspauschalen

Leitfaden für den Netzanschluss

Zur korrekten Berechnung des Netzzutrittsentgelts (mittels Pauschale) von PV-Anlagen stellt die E-Control einen Leitfaden für den Netzanschluss, inkl. Musterbeispiele, zur Verfügung. 

Um etwaige Hürden beim Netzanschluss von PV-Anlagen bereits vorab vermeiden zu können, haben wir im Auftrag des Klima- und Energiefonds in gemeinsamer Zusammenarbeit mit E-Pool und Hackner Energy die  „Handlungsanleitung für die Errichtung von PV-Anlagen – Schwerpunkt: Netzanschluss“ erarbeitet. Diese Handlungsanleitung beinhaltet eine Zusammenfassung der notwendigen Schritte für die Errichtung einer PV-Anlage auf Basis der, zum Erscheinungsdatum der Handlungsanleitung, gültigen Gesetze, Marktregeln und Bedingungen.

In unserer EAG-Inforeihe erklärt Ihnen unter anderem Rechtsanwalt Florian Stangl alles Wichtige zu den Änderungen im Bereich des Netzanschlusses. Hineinhören lohnt sich!